Obduktion

In der islamischen Welt wird die Beurteilung einer Obduktion von den gegebenen Umständen und deren Ziel abhängig gemacht und schließlich die forensische und klinische Obduktion unterschiedlich bewertet. Die klassischen Quellen des Islam liefern uns diesbezüglich keine expliziten Angaben. Dennoch bekommt der folgende Prophetenausspruch einen zentralen Stellenwert in den Stellungnahmen zur Obduktion: „Das Zerbrechen von Knochen eines Toten ist wie die entsprechende Schädigung eines Lebenden zu beurteilen.“ Nicht zuletzt aufgrund dieses Prophetenausspruches wird eine Leichenöffnung von den Muslimen als eine Integritätsverletzung des menschlichen Körpers betrachtet. Doch in Ausnahmefällen gilt die islamrechtliche Regel: „Not kennt kein Gebot“.

Der forensischen Obduktion liegt das Ziel zu Grunde, einen unklaren und nichtnatürlichen Todesfall durch eine Leichenöffnung aufzuklären. Hierbei werden Todeseinflüsse und Körperschädigungen durch Fremdverschulden aufgedeckt bzw. ausgeschlossen. Es kann in der innerislamischen Diskussion allgemein von einer bejahenden Einstellung gesprochen werden, wenn es sich um die Aufklärung eines verdächtigen Todesfalles handelt. Dabei wird der Bestrafung der Mörder bzw. der Entlastung von Verdächtigen ein größerer Wert beigemessen als die durch eine Sektion durchgeführte Verletzung der körperlichen Integrität. Gerechtigkeit, Rechtssicherheit und Allgemeinwohl der Gesellschaft (maslaha) sind andere Güter, die gegenüber der Unversehrtheit des Toten Vorrang haben.

Die klinische Obduktion dient der Klärung der Todesursache und des Krankheitsablaufs. Sie wird als letzte ärztliche Leistung verstanden und trägt zu der Qualitätssicherung von Diagnostik, Therapie und ärztlichen Leistungen bei. Bei der islamischen Beurteilung der klinischen Obduktion steht wiederum die Klärung des gesellschaftlichen Nutzens im Vordergrund. Die Frage ist, ob die oben genannten Anlässe für eine Leichenöffnung hinreichende Gründe darstellen und deswegen einen klaren Vorrang haben sollten. Handelt es sich um die Abwehr von der Gesellschaft drohenden Epidemien, so ist eine Leichenöffnung aufgrund dieses gesellschaftlichen Wohles nachvollziehbar. Dagegen scheinen andere Ziele wie Qualitätssicherung, sichere Statistiken etc. nur schwer einen Eingriff zu legitimieren, der die körperliche Unversehrtheit verletzt.

Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass eine klinische Obduktion von den Familienangehörigen eines verstorbenen Erwachsenen oder von den Eltern eines verstorbenen Kindes aufgrund der Unversehrtheit des Toten in der Regel unerwünscht ist.

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Fallbeispiele

Fallbeispiele zeigen den Praxisbezug auf

Durchführung und Förderung
Universitšt Mainz
Bundesministerium für Forschung und Bildung
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