Reproduktives Klonen

Ein durch das reproduktive Klonen entstandener Embryo beinhaltet entweder väterliches oder mütterliches Erbgut, bei einer natürlichen Befruchtung besitzt der Embryo hingegen das genetische Programm beider Elternteile. In so einer Situation ist es kaum möglich, von einem klassischen Vater- und Muttersein zu sprechen. Diese Art von Kinderzeugung würde deshalb vermutlich schwerwiegende Auswirkungen auf die islamische Familienstruktur und Abstammungslinie (nasab) haben, die im Gesellschaftsleben mit enormen sozialen und juristischen Problemen verbunden wären. Verwandtschaftsbeziehungen bestimmen wesentlich die Interaktionen und die Umgangsformen muslimischer Gemeindemitglieder. Eine Verwischung der Abstammungslinie würde soziale Rollen und religiös-ethische Pflichten in Frage stellen. Ebenso würden familienrechtliche, strafrechtliche und auch juristische Entscheidungen ein unüberschaubares Ausmaß erreichen. Aus diesen Gründen wurde das reproduktive Klonen in vielen religiösen Gutachten, darunter auch in der offiziellen Stellungnahme des Diyanet İşleri Başkanlığı (Amt für religiöse Angelegenheiten der Republik Türkei) als verboten (harâm) erklärt.

Die Abweichung von der natürlichen Zeugungsart steht auch im Widerspruch zur im Koran explizit genannten Schöpfungsgewohnheit Gottes. In Sure 49 Vers 13 heißt es: „O ihr Menschen, Wir haben euch von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen.“ Da das reproduktive Klonen die natürliche Entstehung eines Menschen von „einem männlichen und einem weiblichen Wesen“ ausschließt, stellt dieses Verfahren einen Gegenpart zu Gottes Schöpfungsart dar. Durch den negativen Einfluss auf die menschliche Diversität steht dieses Verfahren erneut im Konflikt mit dem islamischen Menschenbild. Der Koran erklärt die Menschen mit ihren unterschiedlichen Farben, Nationen und Sprachen sowie die Artenvielfalt in der Natur als einen gottgewollten Zustand. Dazu heißt es im Koran:

„Zu seinen Zeichen gehört die Erschaffung der Himmel und der Erde, und auch die Verschiedenheit eurer Sprachen und Arten. Darin sind Zeichen für die Wissenden.“ (Sure 30/22)

Ein weiteres praktisches Problem, das mit der Technik des Klonens verbunden ist, würde eine bereits vorhandene negative Einstellung dieser Technik gegenüber noch verstärken: Wenn man bedenkt, dass das Klonen des Schafes „Dolly“ erst nach dem 278. Versuch gelungen ist, so muss man am Anfang solcher Versuche in Kauf nehmen, dass Eizellen, die nicht von der werdenden Mutter stammen, verwendet werden müssen. Da es bereits in den Diskussionen, die im Rahmen der In-vitro-Fertilisation durchgeführt wurden, eine kategorische Ablehnung der fremden Eizellen gibt, wird die Zustimmung zu einer solchen Praxis nicht leicht fallen.

Basierend auf den skizzierten Argumenten ist in der islamischen Welt von einer allgemeinen Ablehnung des reproduktiven Klonens auszugehen. Es gibt aber auch andere – wenn auch sehr seltene – Stimmen, die das reproduktive Klonen für ethisch legitimierbar erklären. Dem schiitischen Scheich al-Harandi zufolge sind negative Folgen im sozialen Leben oder Missbrauchspotenzial keine ausreichenden Gründe, um die gentechnische Forschung und das Klonen des Menschen zu beschränken, denn das Klonen sei eine andere Art sich fortzupflanzen. Außerdem entdecke man dadurch ein weiteres Wunder der Schöpfung Gottes.

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Fallbeispiele

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Durchführung und Förderung
Universitt Mainz
Bundesministerium für Forschung und Bildung
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