Präimplantationsdiagnostik

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) wird nach der In-vitro-Fertilisation bei der befruchteten Eizelle außerhalb des mütterlichen Körpers durchgeführt, um eventuelle genetische Krankheiten oder chromosomale Schäden festzustellen. Dies ist meistens mit dem Wunsch verbunden, Kinder auf die Welt zu bringen, die keine Behinderungen oder Erbkrankheiten besitzen sollen, was nicht immer garantiert werden kann. Schließlich kann auch mittels der PID das Geschlecht des Embryos bestimmt bzw. bevorzugt werden.

Zunächst soll betont werden, dass in den Grundquellen des Islam bezüglich PID keine direkten oder indirekten Bestimmungen existieren. Angesichts dieser Unklarheiten und der komplexen ethischen Fragestellungen hinsichtlich PID, ist es nicht erstaunlich, dass PID in der islamischen Welt nicht einheitlich beurteilt und gesetzlich geregelt wird.

In der islamischen Welt gibt es sowohl befürwortende als auch ablehnende Positionen zur PID. Die zustimmenden Positionen stützen sich oft auf die Embryonenbeseelung, die dem Embryo einen gewissen moralischen Status verleiht. Danach ist eine Embryonenselektion vor der Embryonenbeseelung – die je nach Rechtsschule am 40-45., 80. oder 120. Tag stattfindet – aufgrund einer Krankheit durchaus vertretbar. Denn vor der Beseelung hat der Embryo entweder einen niedrigen oder gar keinen moralischen Status.

Die Gegenposition lehnt dagegen unabhängig vom Zeitpunkt der Beseelung eine Krankheit als einen triftigen Grund für die Verwerfung des menschlichen Embryos ab. Laut dieser Position bekommt der Mensch nach islamischem Glauben seinen eigentlichen Wert nicht erst durch körperliche und geistige Fähigkeiten. Als edelstes Geschöpf Gottes erlangt das menschliche Leben die Schutzwürdigkeit unabhängig von seinem Gesundheitszustand. Nach islamischem Menschenbild ist es also nicht zulässig, ein Leben aufgrund einer genetischen Krankheit als nicht lebenswert zu beurteilen. Diese Einstellung gilt auch vor der Geburt und umfasst auch die embryonale Phase.

In der innerislamischen Diskussion kann man von einer einheitlichen positiven Einstellung zur PID sprechen, wenn eine das mütterliche Leben in Gefahr bringende Schwangerschaft durch PID verhindert werden kann.

Die Positionen, die die Embryonenbeseelung als wichtiges Kriterium für den moralischen Status erklären, können Pränataldiagnostik (PND) und PID unterschiedlich bewerten. Denn berücksichtigt man die graduelle ethische Beurteilung des Schwangerschaftsabbruchs (d. h. je später der Schwangerschaftsabbruch, desto moralisch verwerflicher), so kann einer Selektion der schwerkranken Embryonen nach PID – wegen des frühen Zeitpunktes des Eingriffs – gegenüber einem Schwangerschaftsabbruch durch PND der Vorzug gegeben werden. Die Muslime, die diese Position vertreten, haben jedoch in Deutschland keinen Handlungsraum, da in Deutschland PID gesetzlich – unabhängig von der Weltanschauung bzw. Religionszugehörigkeit der betroffenen Person – verboten ist.

Es existieren in der islamischen Welt – vor allem in arabischen Ländern – Positionen, die die Geschlechtswahl durch PID für rechtmäßig verheiratete Ehepartner, die nur Mädchen haben und unter sozialem Druck stehen, befürworten. In der islamischen Welt gibt es aber auch mehrere Stimmen, die die Geschlechtswahl durch PID verwerfen, weil dies z.B. eine geschlechtsspezifische Tötung des Embryos zur Folge hat. Sie verweisen auf das eindeutige koranische Verbot zur Mädchentötung, vor allem in der vorislamischen Zeit. Dafür wird z.B. folgender Koranvers angeführt: „Wenn das neugeborene Mädchen, das verscharrt wurde, gefragt wird, 9 wegen welcher Sünde es denn getötet wurde. (Sure 81/8-9)

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Fallbeispiele

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Durchführung und Förderung
Universitšt Mainz
Bundesministerium für Forschung und Bildung
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