Gentherapie

Gentherapie umfasst die Behandlung einer genetisch bedingten Krankheit durch Eingriffe im entsprechenden Genomabschnitt. Für die ethische Beurteilung ist es nötig, die somatische Gentherapie und die Keimbahntherapie voneinander zu unterscheiden. Somatische Gentherapie beinhaltet die Korrektur von genetischen Defekten in Körperzellen und ist (zumindest der Absicht nach) auf das behandelte Individuum beschränkt. Dagegen handelt es sich bei einer Keimbahntherapie um alle gentechnischen Eingriffe, die auch in die nachkommende Generation vererbt werden.

Von technischer Seite aus gesehen, kann die somatische Gentherapie mit einem neuartigen mikrochirurgischen Eingriff, einer Arzneitherapie, einer Impfung oder einer Substitutionstherapie in Form von Organersatz verglichen werden. Interessanterweise wurden in den Diskussionen der islamischen Welt oft Parallelen zwischen der somatischen Gentherapie und der Organtransplantation oder der Bluttransfusion gezogen.

In den Diskussionen über die somatische Gentherapie stehen nicht der gentechnische Charakter des Verfahrens, sondern dessen Effizienz und Beherrschbarkeit im Vordergrund. Eine falsche Integration der übertragenen DNA kann krebsauslösende Wirkung haben und bösartige Neubildungen verursachen. Beim Einsatz viraler Vektoren kann die Gefahr der Entstehung neuer Viren nicht völlig ausgeschlossen werden.

Stellt man bei der Beurteilung solcher Verfahren das islamische Prinzip „keinen Schaden hinzufügen hat höhere Priorität als Gutes tun“ in den Vordergrund, so ist eine präzise Folgenabschätzung der therapeutischen Eingriffe und eine „Kosten-Nutzen-Analyse“ nötig. Mangelhafte Erkenntnisse über Wirkungszusammenhänge in diesem Verfahren und fehlende Erfahrung machen eine aussagekräftige Schadenskalkulation unmöglich. Zweifelsohne bestärkt der experimentelle Charakter dieser Heilversuche mit unsicherem Ausgang die negativen Stellungnahmen zu solchen Interventionen. Im Weiteren sind die für ein klinisches Humanexperiment gültigen Prinzipien wie medizinische Indikation, Mitberücksichtigung der Alternativen, Einwilligung des Patienten, Recht auf Therapieabbruch und anderes zu beachten.

Skepsis und Vorbehalte gegenüber der somatischen Gentherapie sind jedoch nur in der jetzigen Anfangsphase begründet. Wird eine Therapiemethode etabliert und erfolgreich angewandt, so gibt es aus islamischer Sicht keinen Grund sie abzulehnen.

Trotz einiger weniger Befürworter ist die Keimbahntherapie hingegen aufgrund ihrer therapeutischen Unsicherheit und vor allem der unkalkulierbaren Auswirkung auf die Nachkommenschaft aus einer islamischen Perspektive nicht vertretbar. Grundsätzlich abzulehnen sind auch Anwendungen mit eugenischem Ziel oder Eingriffe, die der Verbesserung bestimmter Eigenschaften (enhancement) dienen.

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Fallbeispiele

Fallbeispiele zeigen den Praxisbezug auf

Durchführung und Förderung
Universitšt Mainz
Bundesministerium für Forschung und Bildung
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