Speisevorschriften

Die Einhaltung der islamischen Speisevorschriften ist, wie andere islamische Grundpflichten auch, ein fester Bestandteil der muslimischen Haltung. Denn im Koran, der wichtigsten Quelle der Muslime, heißt es: „Verboten hat Er euch nur Fleisch von verendeten Tieren, Blut, Schweinefleisch und Fleisch, worüber (beim Schlachten) ein anderes Wesen als Gott angerufen worden ist. Aber wenn einer sich in einer Zwangslage befindet, ohne (von sich aus etwas Verbotenes) zu begehen, trifft ihn keine Schuld. Gott ist barmherzig und bereit zu vergeben“ (Sure 2/173).

Dass Muslime auf Schweinefleischverzehr verzichten, ist in deutschen Krankhäusern durchaus bekannt und dem kann heute durch organisatorische Maßnahmen weitgehend Rechnung getragen werden.

Es gibt aber auch Muslime, die darauf achten, dass das zu verzehrende Fleisch nach islamischen Ritualen geschlachtet worden ist (geschächtetes Fleisch bzw. halal Fleisch). In solchen Fällen wäre es angemessen, diesen Patienten vegetarische Kost anzubieten. Dabei ist zu beachten, dass diese Speisen keine tierischen Fette und keinen Alkohol enthalten. Muslimische Patienten könnten aber auch aufgrund der unterschiedlichen Küchenkultur und des Gaumengeschmacks die deutschen Speisen nicht zu sich nehmen. Dabei ist zu erwägen, ob der Patient sich die Speisen von zu Hause mitbringen lässt. Nicht unwichtig ist es, auch bei einem Diätplan für Diabetiker die Unterschiede zwischen den Küchenkulturen zu berücksichtigen.

Ein anderes, wenig bekanntes, von nicht wenigen muslimischen Patienten aber geachtetes Gebot verlangt den Verzicht auf Arzneien, die nach den islamischen Quellen als verboten (harâm) geltende Mittel beinhalten. Darunter fallen beispielsweise alle alkoholhaltigen flüssigen Arzneien sowie aus dem Schwein gewonnene Präparate, Herzklappen oder Arzneibestandteile wie Gelatine bei Kapseln. Auch hier kann bei Muslimen abhängig von dem Schweregrad der Erkrankung und der Frömmigkeitsintensität eine ablehnende Haltung zur Therapie entstehen, wenn solche Substanzen verabreicht werden sollen.

In einer Überlieferung sagt der Prophet Muhammad: „Gott hat gegen jede Krankheit ein Heilmittel herabgesandt. Also behandelt diese, aber nicht mit etwas Verbotenem.“ Dieser Prophetenausspruch empfiehlt eine medizinische Behandlung und unterstreicht gleichzeitig die Gültigkeit der islamischen Speisevorschriften auch in einem Krankheitsfall. Somit wird eine Therapie untersagt, die den islamischen Vorschriften widerspricht. Da der Koran explizit jeglichen Genuss von Alkohol, Schweinefleisch u. a. verbietet, sind Bestandteile davon in Arzneimitteln unerwünscht.

Die Ansichten der muslimischen Gelehrten sind in der Frage gespalten, welche die angemessene Haltung des Muslims in solchen Situationen sein soll. Denn neben den genannten Speisevorschriften gibt es in der islamischen Entscheidungsfindung auch den Grundsatz: „Not kennt kein Gebot“. Für die Praxis bedeutet dies, dass die im Normalfall gültigen Verhaltensnormen in einer Ausnahmesituation ihre Geltung verlieren. Wenn man an Hunger zu sterben droht, darf der Muslim auch Schweinefleisch verzehren. Wenn es keine alternative Therapie gibt, verlieren die von den Hauptquellen vorgeschriebenen Speisevorschriften ihre Gültigkeit. Deswegen vertritt die Mehrheit der Gelehrten die Ansicht, dass im Falle einer Alternativlosigkeit diese verbotenen Substanzen, die als harâm bezeichnet werden, in einer Therapie erlaubt sind. In so einer Situation hat letztendlich der Patient die Entscheidung zu treffen. Dafür soll ihm jedoch die medizinische und theologische Aufklärung nicht fehlen (vgl. Fallbeispiel Speisevorschriften).

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Fallbeispiele

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Durchführung und Förderung
Universitšt Mainz
Bundesministerium für Forschung und Bildung
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