Krankenbesuch

Es ist bekannt, dass es in deutschen Krankenhäusern einen vergleichsweise hohen Anteil muslimischer bzw. türkischer Besucher gibt. Neben zahlreichen anderen Gründen liegt dies auch daran, dass die islamischen Quellen die Wichtigkeit des Krankenbesuches betonen und den Besuch als eine religiöse Pflicht für die Familienangehörigen und Bekannten erklären. Aus diesem Grunde wird der kranke Muslim von seiner Verwandtschaft, der Moschee- oder Glaubensgemeinde und von denen, die ihn kennen, oft besucht. Der Prophet Muhammad bringt dies mit den folgenden Worten zum Ausdruck: „Speist den Hungrigen, besucht den Kranken und gebt den Gefangenen frei“. Es wird auch vom Propheten Muhammad überliefert, dass der Besucher den Kranken nur kurz besuchen und sich dabei leise verhalten soll.

Einen Patienten zu fragen, wie es ihm geht, Anteil zu haben an seinem Leid und Betroffenheitsgefühle und Genesungswünsche vor Ort zum Ausdruck zu bringen, gehören damit zum muslimischen Habitus. Somit ermöglicht ein Krankenbesuch dem muslimischen Besucher die Entfaltung seiner religiösen und traditionellen Identität. Für den Patienten bedeutet der Krankenbesuch Anerkennung und Achtung durch sein familiäres und soziales Umfeld und ist ein konkretes Zeichen für die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft. Das Unterlassen dieser sozialen Verpflichtung kann vom Patienten als Isolation und als „sich im Stich gelassen fühlen“ interpretiert werden.

Diese Besuche – abhängig von Dauer, Verhaltensweise und Anzahl der Besucher – können jedoch Mitpatienten belasten und von ihnen als „Störfaktor“ betrachtet werden oder den Stationsablauf beeinträchtigen. In solchen Situationen ist oft zwischen Besucher bzw. Patienten und Stationsteam ein Kompromiss erforderlich. Wichtig dabei ist die Klarstellung gegenüber dem Patienten und dessen Besucher, dass das Stationsteam einen Krankenbesuch schätzt und respektiert. Ebenso soll aber auch deutlich gemacht werden, dass die Besucher den Stationsablauf beeinträchtigen und Mitpatienten überfordern können. Während ärztlicher und pflegerischer Maßnahmen sollten die Besucher gebeten werden, das Patientenzimmer zu verlassen.

Besonders kompliziert ist es, wenn der muslimische Patient sich auf einer Intensivstation aufhält, wo strikte Regeln der Hygiene und Therapiemaßnahmen eingehalten werden sollen. Wegen dieser Regelungen wird auf Intensivstationen die Besucherzahl beschränkt und die Besuchszeit verkürzt. In solchen Situationen konfligieren oft der durch Besuche geleistete Beitrag zum Wohlbefinden des Patienten und die medizinische Effektivität.

Was noch zu erwähnen wäre, ist der letzte Besuch des Sterbenden im Krankenhaus durch seinen Bekanntenkreis. Dies kann sowohl vom Krankenhauspersonal als auch von den Mitpatienten als Belastung für den Sterbenden empfunden werden. Doch der bewusste Zustand vor dem Tod bietet die letzte Chance sowohl für den Sterbenden als auch seinen Bekanntenkreis, die gegenseitig begangenen Rechtsverletzungen wieder gutzumachen und sich so von dieser Welt zu verabschieden.

Trotz dieser Funktion darf jedoch der „letzte Besuch“ nicht auf die bloße Regelung einer Rechtsverletzung reduziert werden. So kann der Besuch für einen muslimischen Besucher auch Ausdruck seines moralischen und existentiellen Mitleids sein.

Nützliche Links
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Fallbeispiele

Fallbeispiele zeigen den Praxisbezug auf

Durchführung und Förderung
Universitšt Mainz
Bundesministerium für Forschung und Bildung
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