Hygiene

Die Gesundheit wird dem islamischen Glauben nach als ein dem Menschen anvertrautes Gut verstanden. Dieser Glaube impliziert gleichzeitig eine menschliche Verantwortung für die Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Gesundheit.

Da der Mensch nicht der wahre Eigentümer seines Körpers, sondern nur dessen Besitzer im Diesseits ist, verpflichtet der islamische Glaube den Menschen zu einem entsprechenden Umgang mit seinem Körper. Somit ist es eine islamische Pflicht, entsprechende hygienische Maßnahmen zu treffen oder sich den erforderlichen medizinischen Maßnahmen zur Bewahrung bzw. Wiederherstellung der Gesundheit zu unterziehen. In einem Prophetenausspruch wird die Reinheit – wobei hier beide Dimensionen der Reinheit gemeint sind – zum zentralen Begriff des islamischen Glaubens erklärt: „Die Reinheit macht die Hälfte des [islamischen] Glaubens aus.“ Weitere koranische Angaben und die Praxis des Propheten Muhammad sorgen dafür, dass hygienische Maßnahmen ein untrennbarer Teil der muslimischen Glaubenspraxis werden. Die Verrichtung eines Pflichtgebets, welches als Entfaltung der muslimischen Identität verstanden wird, setzt bestimmte rituelle Waschungen voraus.

Im Alltag eines Muslims werden zwei Arten von rituellen Waschungen unterschieden: Die Ganz- und die Teilkörperwaschung (Sure 5/6). Die Ganzkörperwaschung (arab. Ghusl, türk. Gusül) umfasst die Reinigung des gesamten Körpers durch ein Vollbad. Sie wird nach der Menstruation, dem Wochenbett, dem Geschlechtsverkehr, dem Samenerguss im Schlaf oder oft vor dem Freitagsgebet und nach Bedarf durchgeführt. Manche Muslime würden gerne auch nach einer gynäkologischen Untersuchung oder Darmspiegelung diese große Waschung vornehmen, auch wenn dies keine religiöse Vorschrift ist.

Bei der rituellen Teilkörperwaschung (arab. Wudu, türk. Abdest), die vor einem Pflichtgebet stattfindet, werden Hände, Mund- und Nasenhöhlen, Gesicht, Arme bis über die Ellenbogen sowie Füße bis über die Knöchel unter fließendem Wasser gewaschen. Vor einem Pflichtgebet wird sie nach dem Stuhlgang, nach dem Wasser lassen, beim Entweichen von Darmgasen oder nach Austritt jeglicher Substanzen aus dem Körper, wie Blut oder Eiter, wiederholt. Auch nach dem Tiefschlaf soll sie erneut vollzogen werden.

Diese beiden rituellen Waschungen können nicht durch die im Krankenhaus mit dem Waschlappen durchgeführte übliche Waschung ersetzt werden. Besteht nicht die Möglichkeit, diese Waschungen vorzunehmen, z. B. durch das Fehlen von Wasser etc., so werden sie symbolisch praktiziert (Tayammum). Bei Fehlen des dazu nötigen Wassers werden die Hände bis zu den Ellenbogen und das Gesicht mit Erde oder Sand bestrichen.

Das Schneiden der Nägel, das Rasieren der Achselhöhlen und der Schamhaare gehört ebenso zur Grundhygiene eines Muslims. Einen unverkennbaren Wert erlangt in den Prophetenaussprüchen auch die Mundhygiene, so dass der Prophet sie beinahe als eine religiöse Vorschrift erklärte: „Wäre es keine Härte für die Gemeinschaft der Muslime (Umma) gewesen, hätte ich ihnen zur [religiösen] Pflicht gemacht, dass sie den Siwâk (Zahnputzhölzchen) vor jedem Gebet benutzen.“

Unter den hygienischen Bestimmungen ist sicherlich auch die männliche Beschneidung (arab. Khitān) als eines der wichtigsten religiösen Rituale für einen muslimischen Jungen in seiner Kindheit aufzuzählen.

Endlich sei auch der Hamam erwähnt. Er ist in der islamischen Gesellschaft seit Jahrhunderten bekannt und wird nicht nur für die körperliche Reinigung benutzt, sondern dient auch zur gesundheitlichen Vor- und Fürsorge.

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Fallbeispiele

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Durchführung und Förderung
Universitšt Mainz
Bundesministerium für Forschung und Bildung
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