Fremde als Dolmetscher

Unter fremden Dolmetschern ist der professionelle Dolmetscher und das Krankenhauspersonal (Arzt, Krankenschwester, -pfleger und Reinigungspersonal) zu verstehen. Leider werden beeidigte professionelle Dolmetscher in deutschen Krankenhäusern wegen finanziellen und organisatorischen Hindernissen selten eingesetzt. Im Gegensatz zu juristischen und anderen bürokratischen Bereichen findet deren Einsatz in der deutschen medizinischen Praxis bedenklicherweise selten statt.

Beim Einsatz eines fremden Dolmetschers verdienen folgende Konflikte aus medizinethischer Sicht besondere Aufmerksamkeit. Das Vertrauen auf den Dolmetscher ist eine Forderung an den Patienten, das er von vornherein mitbringen soll. Dieses Vertrauen beinhaltet neben der sachgerechten professionellen Übersetzungstätigkeit eine Zuverlässigkeit des Übersetzers in Bezug auf die Intimität des Patienten. Ein kurzes Gespräch zwischen dem Dolmetscher und dem Patienten kann zur Herstellung eines Vertrauensminimums nützlich sein. Doch unterbleibt dies wegen Zeitmangels in der Praxis oft. Durch dieses Kennenlernen könnte der Dolmetscher stärker patientenorientiert und weniger aufgrund der eigenen Interpretationen übersetzen. Ein Mindestvertrauen würde das Wohlbefinden des Patienten positiv beeinflussen.

In der Praxis ist es kaum möglich, dass der Patient seinen Dolmetscher auswählen kann. Im Gegenteil, die Bedingungen in der Praxis sind so beschaffen, dass der Patient zufrieden sein muss, wenn es überhaupt diese Gelegenheit gibt. Das Geschlecht des Dolmetschers ist ein weiterer wichtiger Punkt. Wenn der Dolmetscher das Sexualleben betreffende Fragen und Antworten übersetzen oder während einer gynäkologischen Untersuchung anwesend sein soll, so ist mit Rücksicht auf das Schamgefühl besonders auf das Geschlecht des Dolmetschers zu achten.

Wenn Dolmetscher zur medizinischen Profession (Arzt oder Krankenschwester) gehören, so ist die relativ ‚neutrale‘ Position des Dolmetschers in Frage gestellt. Seine Ausbildung und Parteilichkeit wird die Übersetzung auf spezifische Weise beeinflussen. Die Patientenaussagen können mit professionellem Vokabular oder mit fachspezifischer Interpretation weitergegeben werden. Zu beachten ist der mögliche Mangel an türkischen Sprachkenntnissen bei der türkischen Krankenschwester oder Arzthelferin der 2. Generation. Ihr Übersetzungsversuch kann zu Missdeutungen und Fehlinterpretationen führen. Nicht selten wird in den Krankenhäusern das Reinigungspersonal zu Dolmetschertätigkeiten herangezogen. Obwohl ihre Türkischkenntnisse im Verhältnis zu den Krankenschwestern der 2. Generation besser sein mögen, sind ihre Deutschkenntnisse oft mangelhaft und nicht ausreichend für eine Mindestvermittlung.

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Fallbeispiele

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Durchführung und Förderung
Universitšt Mainz
Bundesministerium für Forschung und Bildung
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