Menschenbild

Dem Koran zufolge ist Gott der Schöpfer und der Mensch das Geschöpf. Der Mensch wurde in idealer Gestalt erschaffen und mit den besten Weisungen Gottes versehen (Sure 95/4). Als Gott den Menschen erschuf, hat Er ihm von seinem Geist eingehaucht (Sure 15/28-9; Sure 38/71-2). Diese Erschaffungsart verleiht zwar dem Menschen einen Sonderstatus unter den Geschöpfen, daraus kann aber nicht die Gott-Ebenbildlichkeit des Menschen wie in der christlichen und jüdischen Theologie abgeleitet werden. Denn der Koran sagt: „Und niemand ist Ihm (Gott) gleich (ebenbürtig).“ (Sure 112/4; vgl. auch Sure 42/11). Die Nähe Gottes zum Menschen und die ontologische Gebundenheit des Menschen an Gott wird im Koran folgendermaßen ausgedrückt: „Wir haben doch den Menschen erschaffen und wissen, was seine Seele ihm einflüstert, und Wir sind ihm näher als die Halsschlagader.“ (Sure 50/16)

Der Mensch ist auf der Erde ‚Statthalter Gottes’ (khalīfa) und nimmt bei Gott unter den Geschöpfen einen hohen Rang ein (Sure 17/70). Seine hohe Stellung bei Gott erhält er, indem er das ihm von Gott anvertraute Gut annimmt. Mit diesem anvertrauten Gut sind unter anderem die von Gott auferlegten Verpflichtungen und Verantwortungen gemeint. Nachfolger bzw. Statthalter Gottes (khalīfa) und Diener Gottes (abd) zu sein, bestimmt also die Stellung des Menschen auf der Erde. Da die lexikalische Definition von Islam die völlige Ergebung des Menschen in den Willen Gottes ist, hat der Mensch seine Stellvertreterposition als Diener Gottes zu erfüllen. Als Diener Gottes soll der Mensch sich hier auf der Erde bewähren. Deswegen wird er auch verschiedenen Prüfungen ausgesetzt: „Er (Gott) hat den Tod und das Leben erschaffen, um euch zu prüfen, wer von euch am besten handelt. Und Er ist der, der mächtig und voller Vergebung ist.“ (Sure 67, Vers 2)

Alle Menschen sind nach muslimischer Lehre vor Gott und dem Recht gleichgestellt, besitzen Willensfreiheit und sind deswegen für ihre Handlungen verantwortlich. Der Gedanke der Erbsünde ist dem Islam fremd: „Wer der Rechtleitung folgt, folgt ihr zu seinem eigenen Vorteil. Und wer irregeht, der geht irre zu seinem eigenen Schaden. Und keine lasttragende (Seele) trägt die Last einer anderen.“ (Sure 17/15) Im Gottesdienst tritt der Mensch nur seinem Schöpfer gegenüber. Diese Eigenverantwortung des Menschen für seine Taten als Individuum wird in vielen Koranversen betont. Jedoch begegnen wir im Koran einerseits der völligen menschlichen Willens- und Handlungsfreiheit und andererseits der Vorherbestimmung und des Wissens aller Ereignisse als ein Resultat der göttlichen Weisheit. Das heißt, der Mensch besitzt keine absolute Freiheit, sondern nur eine partielle Freiheit, die es ihm erlaubt, innerhalb der göttlichen Schöpfung in Freiheit zu handeln und deswegen für seine Handlung verantwortlich zu sein.

Jeder Mensch wird – dem Koran und den Aussagen des Propheten Muhammad zufolge – mit der Fähigkeit geboren, an einen Gott zu glauben (fitrat Allâh). Dennoch gehören Religions- und Gewissensfreiheit zu den elementaren Grundrechten, die der Koran den Menschen gewährt hat. Denn es heißt darin: „Wer will, möge glauben; und wer will, möge ungläubig sein.“ (Sure 18/29).

Die Muslime leiten unter anderem die Menschenwürde (karâmat al-insân) aus der Sure 17, Vers 70 ab, in der es heißt: „Und wahrlich, Wir haben die Kinder Adams geehrt und sie über Land und Meer getragen und sie mit guten Dingen versorgt und sie ausgezeichnet – eine Auszeichnung vor jenen vielen, die Wir erschaffen haben.“ Der Begriff „aschrafu mahluqât“ (Edelste aller Geschöpfe), der für den Menschen benutzt wird, bietet sich ebenfalls für einen synonymen Gebrauch für Menschenwürde an. Zwar befindet sich dieser Begriff nicht im Koran, er prägt jedoch die islamische Geistesgeschichte so sehr, dass er für das Leben einen normativen Inhalt erlangt.

Das menschliche Leben gehört im Islam zu den fünf elementaren Gütern (maqâsid asch-scharia), die geschützt werden müssen. Dazu zählen auch: die Religion, der Verstand, die Nachkommenschaft und der Besitz.

Als Sozialwesen hat der Mensch seine Pflichten zu erfüllen und Frieden in seiner Gemeinschaft und Umgebung zu stiften. Gegenseitige Akzeptanz und Toleranz gehören zu den Grundüberzeugungen des Islam. Im Koran heißt es dazu: „O ihr Menschen, Wir haben euch von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Verbänden und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Der Edelste (Angesehenste) von euch bei Gott, das ist der Gottesfürchtigste von euch. Gott weiß Bescheid und hat Kenntnis von allem.“ (Sure 49/13)

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