Gesundheits- und Krankheitsverständnis

Das muslimische Gesundheits- und Krankheitsverständnis wird durch bestimmte islamische Quellen und Normen geprägt. Auch wenn sie bei allen Muslimen nicht einheitlich vorzufinden sind, gibt es substantielle Ähnlichkeiten, die man in bestimmter Form antrifft. Hinsichtlich der islamischen Quellen und praktischen Wirklichkeiten lassen sich drei Grundsätze feststellen, die das Krankheits- und Gesundheitsverständnis eines Muslims prägen. Diese Grundsätze sind nicht isolierte theologische Einheiten, sondern sie beeinflussen die konkrete Haltung zu einer Krankheit und die Entscheidungen zu den medizinischen Maßnahmen im Krankheitszustand. Im Folgenden werden diese Grundsätze kurz dargestellt:

Gesundheit und Krankheit als natürliches Phänomen (Ebene der Natürlichkeit)

Nach muslimischem Weltbild sind Gesundheit und Krankheit natürliche Phänomene, die sich im menschlichen Leben abwechseln. Gesundheit ist im Sinne eines Freiseins von Schmerzen, von Funktionsausfällen der Körperorgane oder Strukturanomalien für ein substantielles Wohlbefinden wichtig. Der islamische Glaube versteht die Krankheit als ein zur menschlichen Natur gehörendes Phänomen, welches mit Leiden auf unterschiedlichen Ebenen verbunden ist. Im Koran heißt es dazu: „Er [Gott] weiß, dass es unter euch Kranke geben würde.“ (Sure 73/20). Deswegen hebt Gott die religiösen Pflichten, die konstitutive Merkmale des Muslimseins sind, für den Krankheitsfall auf. Denn „Gott will für euch Erleichterung, Er will für euch nicht Erschwernis.“ (Sure 2/185)

Gesundheit als Gottesgabe (Ebene der Verantwortung)

Körper und Gesundheit sind nach islamischem Glauben dem Menschen zur Aufbewahrung gegebene Gottesgaben und daher als zu schützendes Gut zu verstehen. Der Mensch ist Inhaber und Nutznießer, Gott hingegen ihr Eigentümer. Die religiöse Überzeugung, welche die Gesundheit als ein dem Menschen anvertrautes Gut deklariert, impliziert gleichzeitig eine menschliche Verantwortung für deren Erhaltung bzw. Wiederherstellung. Somit ist es eine islamische Pflicht, entsprechende hygienische Maßnahmen zu treffen oder sich den erforderlichen medizinischen Maßnahmen zur Bewahrung bzw. Wiederherstellung der Gesundheit zu unterziehen. Denn der Muslim hat im Jenseits Rechenschaft abzulegen, wie er mit seinem Körper umgegangen ist, was mit Belohnung oder Bestrafung im Jenseits verbunden ist.

Gesundheit als erforderlicher Zustand für die Pflichten (Ebene der Pflichten)

Der Glaube und die Praxis bilden im islamischen Glauben eine untrennbare Einheit, so dass das Wohlgefallen Gottes als Hauptziel des Muslims erst mit einem auf islamischen Handlungsnormen basierenden Habitus möglich wird. Die körperliche und geistige Gesundheit ist für die Erfüllung der sozialen, ethischen und religiösen Verpflichtungen und somit auch für eine freie Entfaltung der eigenen religiösen Identität eine elementare Bedingung. In einem Ausspruch des Propheten Muhammad wird die Gesundheit in diesem Zusammenhang eindeutig bevorzugt, und es wird empfohlen sie optimal im eigenen Leben zu nutzen: „Nutze fünf (Zustände) vor fünf (anderen Zuständen): (Nutze) dein Leben vor deinem Tod, (nutze) deine Gesundheit vor deiner Krankheit, (nutze) deine Freizeit vor deiner Geschäftigkeit, (nutze) deine Jugend vor deinem Greisenalter und (nutze) deinen Wohlstand vor deiner Armut.“

Diese drei Grundsätze sind nicht als untereinander konkurrierende oder in einer bestimmten Hierarchie stehende Prinzipien zu betrachten. Sie ergänzen sich gegenseitig und das eine schließt das andere nicht aus.

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Fallbeispiele

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Durchführung und Förderung
Universitt Mainz
Bundesministerium für Forschung und Bildung
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