Warum finden bei den Muslimen viele Verwandtenehen statt?

Grundsätzlich kann man sagen, dass in patrilinearen Familiensystemen Verwandtenehen oft vorkommen, weil dadurch unter anderem das Erbe gesichert wird und soziale Bindungen aufrechterhalten werden. Deswegen sieht man Verwandtenehen heute nicht nur bei Muslimen, sondern z. B. auch unter Christen aus dem Nahen Osten.

Verwandtschaftsbeziehungen bestimmen wesentlich die Interaktionen und die Umgangsformen muslimischer Gemeindemitglieder. Deswegen wird unter Muslimen wahrscheinlich die häufigste Form der Verwandtenehe, nämlich die Kusinenheirat, durchgeführt, wobei prozentual gesehen die Zahlen von Ort zu Ort sehr stark variieren. In Ländern, wo Muslime in der Minderheit leben, ist im Vergleich zu ihren Herkunftsländern aufgrund von soziologischen Gegebenheiten eine Erhöhung der Verwandtenehen festzustellen, um ihre sozialen und religiösen Bindungen aufrechtzuerhalten.

Es gibt im Koran keine Bevorzugung, aber auch kein Verbot der Kusinenheirat. Im Koran wird aufgeführt, welche Personen man nicht heiraten kann (vgl. Sure 4/23-24).

Wenn eine Verwandtenheirat für bestimmte Paare ein großes gesundheitliches Risiko in sich birgt, sprich genetische Krankheiten und Behinderungen beim Kind dadurch entstehen können, so sollte man frühzeitig mit der Aufklärung über Verwandtenehen anfangen.

Aufgrund eher traditionell sittlicher Gründe ist in Deutschland innerhalb der muslimischen Bevölkerung eine signifikant hohe Anzahl von Verwandtenehen festzustellen. Dieser Zustand erhöht zumindest statistisch die Anzahl der potentiell angeborenen genetischen Krankheiten. Damit ist eine erhöhte Indikationsrate für eine Pränataldiagnostik und postnatale genetische Diagnostik in derselben Bevölkerungsgruppe verbunden. Eine genetische Beratung in solchen Fällen erfordert wiederum einen kultursensiblen Umgang mit den Patienten bzw. Klienten, was derzeit in Deutschland weder etabliert noch konzeptualisiert ist.

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